Rassenbeschrieb
"Das Gallowayrind gehört zu den ältesten
Robustrassen auf der Welt,
welche bei extensiver Nutzung von Grenzertragsflächen und
ökologischen Ausgleichsböden eingesetzt werden".
Geschichtliche Betrachtungen
Die erste historische Beschreibung dieser Tiere geht auf
den Dichter Livius (284 -104 a. c.) zurück. Die Römer kannten
nämlich bereits das vorzügliche Fleisch der schwarzen Kühe,
welche als einzige Lebewesen den Hadrianswall, welcher die
Provinz Britannia schützen sollte, von Norden her durchdrangen.
Schottische Herdebücher wurden seit dem Mittelalter geführt,
fielen aber einem Brand im Landwirtschafsministerium in
Edinburgh 1851 zum Opfer. 1878 erfolgte die Gründung der
Schottischen Galloway Society in Castel Douglas. Auf den
britschen Inseln wurden zwei Urformen der heutigen Rinderrassen
gefunden. Die eine war hornlos, die andere wies kurze Hörner
auf. Von der ersten stammen die Galloway von der letzteren
die Highland-, Devon- und Herefordrinder ab.
Gallowayrinder in der Schweiz
Einzelne Tiere wurden schon 1982 in die Schweiz importiert.
Eine erste Zuchtgruppe existiert bei uns seit Frühjahr 1994.
Durch die Aenderung der Bewilligungspraxis im Bundesamt
für Landwirtschaft erfolgten im Sommer 1995 grössere Importe
aus Deutschland und einzelne Betriebe setzen das Gallowayrind
als tragenden Betriebszweig in der Extensivhaltung ein.
Am 17. Januar 1996 wurde von den schweizerischen Gallowayzüchtern
die Swiss Galloway Society gegründet
Erscheinungsbild
Gallowayrinder sind eine dominant hornlos vererbte Fleischrinderrasse
. Sie bringen bei extensiver Robusthaltung eine Fleischleistung
von hervorragender Qualität. Sie sind friedfertig, genügsam,
widerstandsfähig und langlebig. Das Fell weist ein dichtes,
mittelfeines Unterhaar auf, welches von gewelltem, längerem
Oberhaar bedeckt ist. Amerikanische Züchter beschreiben
die aussergewöhnlich gut schützende Isolationsschicht des
Winterfelles, welches die Anlage von unbrauchbarem Isolationsfett
weitgehend unnötig macht und auch unter extremen klimatischen
Bedingungen in Alaska eine stabile Körpertemperatur garantiert
(sogenannte thermoneutrale Zone). Neben dem klassischen
schwarzen Galloway mit einem mahagonifarbenen Schimmer findet
man folgende Farbschläge: Weiss, Rot, Dun (beige) und Belted
(schwarz oder rot mit einer weissen Mittelpartie).
Die Galloways erweisen sich als leichtkalbig, wobei die
Kälber eher leicht (28 kg) und von grosser Vitalität sind.
Wir konnten bereits in den ersten Monaten die starke Herdenbildung
beobachten. Auffällig sind der ausgeprägte Naturinstinkt
und die guten Muttereigenschaften. Die Fruchtbarkeitsleistung
bringt im Durchschnitt pro Jahr ein Kalb. Die Fruchtbarkeit
basiert auf einer kurzen Zwischenkalbezeit von 360 bis 370
Tage, welche in Schottland immer wieder bestätigt wird.
Eine ausgewachsene mittelrahmige Kuh wiegt bei einer Widerristhöhe
von 120 cm im Durchschnitt 550 Kilogramm. Ein ausgewachsener
Stier kommt bei einer Widerristhöhe von 128 cm auf ungefähr
800 Kilogramm. Punkto körperlicher Entwicklung handelt es
sich um eine spätreife Rasse. Die Erstbelegung sollte nicht
vor 24 Monaten erfolgen.
Verbreitung
Die Verbreitung in zahlreichen Ländern der Welt folgt den
Spuren der englischen Kolonien. Das anpassungsfähige Tier
wurde von Alaska bis Kenia mit Erfolg angesiedelt. Die Liste
der Züchter im Galloway Journal der Galloway Cattle Society
of Great Britain and Ireland vom Dezember 1994 umfasst Mitglieder
in 23 Ländern auf allen Kontinenten.
Fleischproduktion
Dank der ausgezeichneten Futterverwertung ist die Fleischleistung
der Galloway bemerkenswert. Dies umsomehr, als sich das
Fleisch durch ein einzigartiges Aroma auszeichnet. Das zwischen
den Muskelfasern eingelagerte Fett ist für den marmorierten
Aspekt, die Feinheit und Saftigkeit verantwortlich.
Das Fleisch ist kirschrot und aus feinen Muskelfasern zusammengesetzt.
Eine aussagekräftige Untersuchung im Vergleich mit anderen
Rindfleischsorten zum umfangreichen Thema Fleischqualität
ist am Institut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere
in Dummerstorf bei Rostock durchgeführt worden. Die Autoren
der bemerkenswerten Studie (Prof. K. Ender et al) attestieren
dem Gallowayfleisch hervorragende Qualitätsmerkmale. Untersucht
wurden Fettgehalt, Scherwert und bildanalytische Merkmale
bezüglich Fettverteilung. Grosse Bedeutung hat die Zusammensetzung
der ungesättigten Fettsäuren(Omega 3 ), welche beim Gallowayfleisch
vorteilhaft ist.
Das durch ganzjährige Weidehaltung besonders diätetische
Fleisch wirkt sich positiv auf die Praevention von Arteriosklerose
und somit auf die Gesunderhaltung des Menschen aus. |